Führt die Verweigerung einer Weiterbehandlung von Patientenseite zum Ausschluss der Arzthaftung?

Verweigert der Patient nach einer fehlerhaft erfolgten medizinischen Behandlung die dringend erforderliche fachgerechte Weiterbehandlung durch einen anderen Arzt, kann der erstbehandelnde Arzt von der Haftung befreit sein.

Das Oberlandesgericht Koblenz entschied in einem aktuellen Beschluss (OLG Koblenz, Beschluss vom 27.08.2012, Az.: 5 U 1510/11), dass der erstbehandelnde Arzt nicht einmal wegen eines groben Behandlungsfehlers hafte, wenn der

  • Patient eine dringend angezeigte Weiterbehandlung bei einem anderen Arzt verweigert und 
  • der gesundheitliche Schaden bei einer richtigen Zweitbehandlung verhindert worden wäre. 
Im konkreten Fall hatte der Patient ursprünglich eine Bissverletzung am Knie erlitten. Die Bissverletzung wurde dem Patienten im Rahmen eines Fußballspiels durch einen Gegenspieler zugefügt und führte schließlich zu einer Infektion des Kniegelenks. Der erstbehandelnde Arzt behandelte die Wunde im Zuge einer Erstversorgung und überwies den Kläger zur weiteren Untersuchung und Behandlung ins Krankenhaus. 
 
Im Krankenhaus empfahl man dem Patienten eine Wundöffnung und die Weiterbehandlung mittels Antibiotika. Der Patient wurde  im Krankenhaus ausdrücklich auf die gesundheitlichen Folgen einer unterbleibenden Weiterbehandlung hingewiesen. Nichtsdestotrotz verweigerte der Patient eine Weiterbehandlung. 
 
Der Patient warf dem erstbehandelnden Arzt nunmehr eine fehlerhafte Behandlung vor, über die das OLG Koblenz zu entscheiden hatte. 
 
Das OLG Koblenz stellte im besagten Beschluss klar, dass der erstbehandelnde Arzt nicht hafte, da der Patient mit der verweigerten Weiterbehandlung eine gravierende Ursache für seine bleibende Knieverletzung gesetzt hatte.
 
Das Mitverschulden des Patienten an der konkreten Ausgestaltung des gesundheitlichen Schadens überwiegt in dem entschiedenen Fall also jedwede mögliche Erstverursachung durch den notbehandelnden Arzt. Der Erstverursachungsbeitrag tritt in derartigen Fällen vollständig hinter der Eigenverantwortung des Patienten und der Entscheidung zu einer nicht vorzunehmenden Weiterbehandlung zurück.  Die Folge: Die Unbilligkeit der Haftung des erstbehandelnden Arztes und die Haftungsfreiheit für diesen.  

 

 

Vier entscheidende Aspekte ärztlicher Aufklärung

Das Arzt – Patienten – Verhältnis wird stark durch das Selbstbestimmungsrecht des Patienten geprägt. Damit der Patient dieses Recht in der Form der Einwilligung oder auch Versagung hinsichtlich ärztlicher Eingriffe ausüben kann, hat der Arzt den Patienten umfassend aufzuklären. Die Aufklärung hat somit unmittelbare Bedeutung für die Frage der Einwilligung des Patienten und somit auch der Haftung des Arztes. 

Im Folgenden soll ein Eindruck vermittelt werden, inwieweit eine Aufklärung stattzufinden hat. Einzelheiten sollen hier erst einmal außen vor gelassen werden. Für den Bereich der ärztichen Aufklärung gibt es eine umfängliche Kasuistik, die den Rahmen eines Überblicks sprengen würde.

Im Kern hat der Arzt folgende Aspekte bei der Aufklärung zu beachten:

1. Gegenstand der Aufklärung 

Der Arzt hat den Patienten in einer für den Patienten verständlichen Weise über die erhobenen Befunde und Prognosen aufzuklären. Der Patient ist umfassend darüber zu unterrichten, welche Chancen und Risiken die Behandlungsmaßnahmen für ihn hätten. Er ist aber auch darüber aufzuklären, welche Folgen eine Nichtbehandlung hätte.  Weiterlesen

Behandlungsfehler mit Todesfolge – eine Infografik

Die Anzahl der Arzthaftungsprozesse nimmt zu. Zuverlässige Angaben über die Zahl der tatsächlichen Behandlungsfehler gibt es kaum. Die meisten Zahlen beruhen auf Schätzungen. Einige vermuten eine hohe Dunkelziffer. 

Im letzten Monat meldeten einige Zeitungen, dass die Zahl der Behandlungsfehler mit Todesfolge dramatisch zugenommen habe. Gründe für diese Zunahme wurden allerdings nicht genannt.

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